Ich schlender in der Mittagszeit durch eine Nebenstraße der Kölner Südstadt. Jemand kommt mir entgegen, ein Kippe drehend. Er fragt „Hast Du mal 50 Cent?“ Da ich Straßenbettelei nicht gut finde, bin ich gedanklich schon auf dem Weg zu einem „Sorry, nein“. Aber er kommt mir zuvor: „Ich könnte Dir auch was rappen. Auf Deutsch, auf Englisch, wenn Du magst auch auf Chinesisch“. Ich bin verblüfft. Als großer Freund von Straßenkleinkunst sage ich „O.K., das ist mir sogar 2 Euro wert“.
Er rappt los. „Der Sozialstaat — das kaputte System — die Reichen — so ne Bitsch — …“ Textlich alles sehr assoziativ und mit der genreüblichen Wut im Bauch. Aber durchaus kurzweilig! Man merkt, dass er eigentlich noch mehr seine Arme einsetzen will. Aber daran hindert ihn die halbgedreht Kippe. Es geht weiter auf Englisch. Außer „Fuck“ und „Shit“ verstehe ich nix mehr. Ich ignoriere die an uns vorbeigehenden Fußgänger, denen man ihre „Was ist das hier?!?“-Gedanken ablesen kann. Am Ende der Performance wird die Sprache zu einem mir unverständlicheren Kauderwelsch. Ich vermute, das soll jetzt chinesisch sein.
Mit einer anerkennenden Daumen-hoch-Geste gebe ich ihm die 2 Euro. Er packt ungefragt noch ein kurze gerappte Zugabe drauf mit dem Tenor „Geld ist scheiße — und die es haben auch — …“. Mit einem „Nicht persönlich nehmen“ steckt er die 2 Euro in seine Tasche, dreht sein Kippchen weiter und geht.
Ich muss lächeln. Bin vermutlich dem Kölner-Südstadt-50-Cent begegnet. Sollte jemand von Euch in der Kölner Südstadt mal um 50 Cent angehauen werden – mein Tipp: Nehmt Euch die drei Minuten! Ihr bekommt vermutlich eine ziemlich unvergessliche Straßen-Kleinkunst geboten!
